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Research / Beitrag / Stand 22.9.2026

Landkarte Fachverfahren: Wer betreibt was in den 16 Ländern?

Über welche Portale, Transportwege und IT-Dienstleister läuft ein Antrag, bevor er im Fachverfahren ankommt?

Bevor ein Antrag im Fachverfahren ankommt, passiert er ein Portal, einen Formularanbieter und einen Transportweg. Wer diese drei nicht kennt, kann den Aufwand eines KI-Vorhabens nicht schätzen. Die Karte zeigt, wie unterschiedlich das je Land aussieht.

SH 4 Schleswig-Holst. HH 2 Hamburg MV 4 Mecklenb.-Vorp. HB 4 Bremen NI 8 Niedersachsen BB 3 Brandenburg BE 2 Berlin NW 12 Nordrhein-Westf. ST 5 Sachsen-Anhalt HE 2 Hessen TH 3 Thüringen SN 5 Sachsen RP 6 Rheinland-Pfalz BY 6 Bayern SL 4 Saarland BW 4 Baden-Württemb.
Kachelkarte statt Umrisskarte: geografisch grob angeordnet, aber gleich groß, damit die kleinen Länder lesbar bleiben. Die Zahl rechts oben nennt die öffentlichen IT-Dienstleister des Landes. Tippen oder mit der Tastatur anwählen für die Einzelheiten.

Was die Zahlen bedeuten

Die Zahl auf jeder Kachel ist die Anzahl der öffentlichen IT-Dienstleister, die in diesem Land Verwaltungsverfahren betreiben: Landesbetriebe, Anstalten öffentlichen Rechts, kommunale Zweckverbände und Rechenzentren. Sie schwankt zwischen einem zentralen Dienstleister und einem guten Dutzend nebeneinander.

Das ist keine Ineffizienzkritik, sondern eine Tatsache mit Folgen: Eine Lösung, die in einer Kommune läuft, läuft nicht automatisch in der Nachbarkommune, wenn dort ein anderer Dienstleister ein anderes Fachverfahren betreibt. Mehr dazu unter Nachnutzung.

Der Transportweg

Weg Was er ist Wo er steht
OSCI mit XTA2 Der etablierte Weg über Intermediäre und das Deutsche Verwaltungsdiensteverzeichnis (DVDV). Produktiv in vielen Ländern, gut belegt, aber aufwendig anzubinden. in der Mehrzahl der Länder im Regelbetrieb
FIT-Connect Der neuere Dienst der FITKO: REST-Schnittstelle, OAuth2, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, offene Testumgebung ohne Anmeldung. wachsend, Nutzung ausdrücklich freiwillig
Beides Einige Länder fahren beide Wege parallel, je nach Fachlichkeit. Übergangszustand

Für ein KI-Vorhaben ist das die entscheidende Weiche: FIT-Connect lässt sich in einer Testumgebung ohne Abstimmung ausprobieren, OSCI mit XTA2 nicht.

Die Datenstandards, und wo sie fehlen

Fachlichkeit XÖV-Standard Fassung Öffentliche Testdaten
Gewerbeanzeige XGewerbeanzeige XGewerbeordnung 1.6 vorhanden
Bauantrag XBau 2.6 keine
Sozialleistungen XSozial-basis 0.2.0 bis 2.5.0 teilweise
Ausländerrecht XAusländer 26.05 teilweise
Wohngeld keiner
Kommunale Abgaben keiner
Sondernutzung Straße keiner
Ausbildungsförderung keiner
Haushalt und Prüfung keiner

Das ist der wichtigste Befund dieser Seite. Für fünf von neun betrachteten Fachlichkeiten gibt es keinen bundesweiten Datenstandard, darunter ausgerechnet Wohngeld, der Vorgang, den fast jede Verwaltung als Erstes nennt. Wo kein Standard existiert, wird jede Übergabe ins Fachverfahren zur Einzelvereinbarung zwischen Kommune, Hersteller und Dienstleister.

Was daraus für ein KI-Vorhaben folgt

  1. Zuerst die Übergabe klären, dann das Modell wählen. Ob Stufe 6 der Ende-zu-Ende-Strecke ein Standardfall oder ein Projekt ist, entscheidet über den Zeitplan.
  2. Bei fehlendem Standard den Vorgang so zuschneiden, dass er ohne Übergabe Nutzen stiftet. Die Vollständigkeitsprüfung mit Nachforderungsliste braucht keine Schnittstelle.
  3. FIT-Connect zuerst prüfen. Die offene Testumgebung erlaubt einen Machbarkeitsnachweis, bevor Verträge nötig werden.
  4. Den eigenen IT-Dienstleister früh einbinden. Er betreibt das Fachverfahren, nicht der KI-Anbieter.

Stand und Grenzen

Die Angaben stammen aus öffentlichen Quellen, überwiegend den Portalen der Länder, dem XRepository und der Registerlandkarte des Statistischen Bundesamtes, Stand September 2026. Wo eine Angabe nicht belegbar war, steht [ ]. Die Liste der IT-Dienstleister erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; sie zeigt die Größenordnung, nicht das Vollbild. Korrekturen aus den Häusern sind willkommen: über den Newsletter.

Kurz gefragt

Warum gibt es keinen bundesweiten Standard für Wohngeld?

Weil nie einer verabschiedet wurde. Das XRepository führt für Wohngeld keinen XÖV-Standard; es existieren lediglich Codelisten für Zuständigkeiten. Jede Anbindung an ein Wohngeld-Fachverfahren ist deshalb eine Einzelvereinbarung zwischen Kommune, Fachverfahrenshersteller und IT-Dienstleister.

Was ist der Unterschied zwischen OSCI/XTA2 und FIT-Connect?

Beides sind Transportwege für Verwaltungsnachrichten. OSCI mit XTA2 ist der ältere, über Intermediäre und das DVDV organisierte Weg, der in vielen Ländern produktiv läuft. FIT-Connect ist der neuere Dienst der FITKO mit REST-Schnittstelle und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Die Nutzung von FIT-Connect ist freiwillig.

Was bedeutet XÖV?

XML in der öffentlichen Verwaltung: eine Familie fachlicher Datenstandards, die festlegen, wie ein Bauantrag, eine Gewerbeanzeige oder ein Sozialdatensatz strukturiert übermittelt wird. Gepflegt werden sie im XRepository der Koordinierungsstelle für IT-Standards.

Wozu braucht man diese Übersicht?

Um vor einem KI-Vorhaben zu wissen, ob die Übergabe ins Fachverfahren ein Standardfall oder ein Einzelprojekt wird. Das entscheidet über Aufwand und Zeitplan mehr als die Wahl des Modells.

Quellen

Stand 22.9.2026 · fiege.ai